
Bei MEIN ROSINENBOMBER berichtet ein ECHTER KNUT, seit Geburt Berliner und Hertha-Fan in der dritten Generation, EXKLUSIV was ihn bewegt. Da sagt der Berliner: Knut - nich nur jut - find ick knorke! Gerade jetzt, da Hertha BSC wieder dahin zurückgekehrt ist, wo die Berliner "alte Dame" hingehört: In die Erste Fußball-Bundesliga.
22. Spieltag, 0:1 gegen Dortmund. König Otto I gibt sich die Ehre. Auch "Gotto" genannt.
Was für ein Wochenende. Berlin wird also demnächst sogar von zwei älteren Herren regiert.
Der Fußballmonarch Otto Rehhagel hat den Trainerthron bei meiner Hertha erklommen und ins Schloss Bellevue wird wohl demnächst sein Altersgenosse Joachim Gauck als politisch demokratisches Pendant einziehen. Was zunächst wie bloßer Zufall wirkt, hat bei näherem Hingucken doch mehrere Parallelen.
Rehhagel der, so wird intern gemunkelt, schon bei Herthas Gründung 1892 Augenzeuge gewesen sein soll, ist genauso wie der langjährige Weggefährte Martin Luthers, der ehemalige Pfarrer Gauck der lebendige Beweis dafür, dass man selbst im hohen Alter noch zu Höchstleistungen fähig sein kann und Höchstleistungen müssen beide bringen. Es gilt für Beide, Ämter die zunehmend in Verruf geraten sind, wieder zu alter Würde zu führen. Der eine als Staatsoberhaupt, der andere als Übungsleiter beim wichtigsten Club der Hauptstadt.
Wer hat sie nicht verfolgt, die Diskussionen um die Rente mit 75? Die Beiden oben genannten werden -und da bin ich mir sicher- die Debatten um die Anhebung des Rentenalters neu anheizen.
Otto Rehhagel, einst Bundesligaspieler der ersten Stunde bei Hertha BSC kommt nur für 3 Monate. Die Mission ist eindeutig. Sie lautet Klassenerhalt.
Es wird auch langsam Zeit, durchzustarten. Sonst bekommen Kaiserslautern, Augsburg und Freiburg irgendwann mit, das wir seit Monaten auf der Stelle treten und scheinbar auf diese Drei warten. Es muss endlich wieder Bewegung auf dem Punktekonto eintreten. Diese Bewegung kommt zwangsläufig, WENN Otto der oftmals Selbstherrliche, es versteht mit majestätischer Gelassenheit, auf das Wissen, der Dynamik und den Willen der Prinzen Ante und Rene’ zurück zu greifen.
Denn auch das war eine Erkenntnis aus dem Dortmund Spiel, diese beiden Trainer haben einen feinen Fußballverstand und offensichtlich eine sehr starke Nähe zur Mannschaft. Alleine Kobi ins Mittelfeld zurückzuziehen war genial. Was aber viel viel wichtiger ist, meine Mannschaft sprühte endlich wieder vor Energie und Spiellaune. Ich hatte das Gefühl, da tragen welche das blauweiße Trikot, die auch gemeinsam siegen wollen! Seit Sonnabend weiß ich, Hertha wird die Klasse halten. Dank der Weisheit des Regenten und der Dynamik seiner Prinzen.
Otto Rehhagel gewann national und international insgesamt 5 Endspiele als Trainer. Diese beachtliche Quote kann er bei Hertha und zwar NUR bei Hertha innerhalb der nächsten 3 Monate toppen. Für Hertha nämlich gibt es jetzt nur noch Endspiele. Das erste folgt am Sonnabend gegen Augsburg.
Ich habe die Ehre, am Sonnabend Ottos Gefolge angehören zu dürfen und werde ihm, seinen Prinzen und seiner Streitmacht, wie immer mit lieblicher Stimme vom Rande des bayrisch-schwäbischen Turnierplatzes frohlocken
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
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21. Spieltag, 0:5 gegen Stuttgart. Skibbe geht, Dortmund kommt.
Sagenhaft, da ist nur eine Woche vergangen und ich habe das Gefühl, die volle Bandbreite der Niederungen des Profi Fußballs erlebt zu haben. Erst erwies sich die soooo sympathische Borussia aus Mönchengladbach, Dank Ihres Spielers de Camargo, als in der untersten Schublade des Bundesliga-Fairplay beheimatet. Weder der feine Herr Favre, der sonst sehr auf gute Sitten und Fairness Wert legt, noch sein Chef Herr Eberl, seines Zeichens Sportdirektor des Vereins vom Nieder (sic!) rhein, hielt es für nötig, sich für den Sportbetrug bei Hertha BSC oder Roman Hubnik zu entschuldigen, oder sich zumindest von de Camargo zu distanzieren.
Ja, warum auch? Bescherte die dreckige Einlage des Gladbachers zwar wenig Ruhm, aber dafür umso mehr Geld. Und Geld soll ja bekanntermaßen nicht stinken. Herthas Traum vom Pokalfinale wurde jedenfalls Dank des Zusammenspiels des Schmierenkomödianten de Camargo mit dem Schiedsrichter Dr. Brych brutal beendet. Was blieb, waren nicht nur entgangene mehrere Millionen Euro, sondern auch ein sehr fader Beigeschmack. Es stellte sich die Frage, warum der DFB ausgerechnet Dr. Brych auf Hertha ansetzte? Jener Schiri, der schon in der Hinrunde in Bremen an Adrian Ramos rumdoktorte und ihm zu Unrecht die rote Karte zeigte.
Wohl gemerkt, beim DFB Pokal Viertelfinale ruhte die 1. UND 2 Bundesliga. Es gab ergo unzählige Schiedsrichter, die zum Einsatz hätten kommen können. Der DFB bevorzugte aber den in Berlin z.Zt. umstrittensten Schiedsrichter. Um der ganzen Ungerechtigkeit die Krone aufzusetzen, kam De Camargo straffrei davon. Hubnik allerdings erhielt eine Sperre für ein Pokalspiel.
Eine Strafe trotz erwiesener Unschuld? Ja geht denn das? Wird der rechtsstaatlich und moralisch ethisch sozialisierte Fan fragen. Ja es geht, dies wird trotz Fehlurteil beim DFB so gemacht, um die Tatsachenentscheidungen der Schiedsrichter nicht zu entkräften. Dies, obwohl es eine Fifa-Regel gibt, die besagt, dass es bei offensichtlichen Fehlentscheidungen die Möglichkeit gibt, keine Sperre zu verhängen. Doch was schert die Herren in Frankfurt schon eine Fifa Regel, wenn es um Hertha geht.
Was für sich genommen schon stank, war aber nichts gegen den üblen Faulgeruch den meine Jungs in Stuttgart ausströmten. Der Schwabenmetropole drohte, ob der blauweissen Faulgase, eine biologische Katastrophe der besonderen Art. Das ganze blauweisse Team drückte sich vor der Verantwortung und den einzigen Spielwitz den sie zeigten, waren sie selbst.
Man kann über den sportlichen Betrug, den Hertha im DFB Pokal Viertelfinale erleiden musste erbost sein, aber das, was Hertha seinen Fans am Wochenende angetan hat, ist unverzeihlich. Meine Güte, reicht nicht ein Blick auf den monatlichen Gehaltszettel, um entsprechend motiviert zu sein? Wissen die Spieler eigentlich, was es für das Taschengeld-Budget eines Schülers bedeutet, nach Stuttgart zu fahren? Eine Karte zu kaufen? Etwas im Stadion zu essen und zu trinken und die Rückfahrt zu bezahlen? Das alles zahlen Fans gerne. Der einzige Gegenwert, der dafür erwartet wird, ist, dass ihr Spieler arbeitet!
Wenn ich dem Auftritt in Stuttgart etwas Positives abringen konnte, dann vielleicht die rote Karte für Ottl, der gehörte schon lange mal auf den Pott gesetzt. Nur Skibbe unser Null Punkte Trainer wird das nicht mehr verwerten können. Er ist in Berlin Geschichte. Egal, wer jetzt nach ihm kommt. Ich hoffe sehr, dass es ein Mensch mit Charakter und natürlicher Autorität ist. Der bei Hertha nicht nur wegen des lieben Geldes anfängt, sondern Visionen mitbringt. Der weiß: Wenn der Bundesligazug in diesem Jahr vor den Baum fährt, ist es wahrscheinlich für sehr, sehr lange Zeit die Abwesenheit meiner Hertha im bezahlten Fußball. Für Michael Preetz ist die letzte Chance gekommen. Micha nutze sie!
Liebe Hertha-Spieler, am Sonnabend kommt Borussia Dortmund! Ich finde, es ist genau der richtige Gegner, um sich wieder aufzurichten.
20. Spieltag, 0:1 gegen 96. Knallharter Frost im Hertha-Stadion. Doch Knut und seine Freunde (Foto) hielten durch. Bei Hertha werden die Punkte jetzt tiefgekühlt.
Hertha-Knut und seine frostierten Hertha-Freunde: Exklusivaufnahme für Mein Rosinenbomber
Ist es Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass zu Hertha 40.000 Zuschauer kommen, selbst wenn das Spiel meines Teams z.Zt. eher unattraktiv ist? Anfang der 1980er wäre dies noch undenkbar gewesen. Beim kleinsten Mißerfolg hätte der "gemeine" Berliner mit den Füßen abgestimmt. Was aber zieht die Massen so an? Was wirkt so magisch an der alten Dame? Am letzten Spieltag kam ich dem Mysterium auf die Spur. Hertha BSC wird dieses Jahr bekannterweise 120 Jahre.
Ein Alter wo jede andere Dame bereits von ihren Pflegekräften ins Guinness Buch der Rekorde getragen wird. So aber nicht die Göre aus dem Wedding. Hertha spielt immerhin in der 1. Bundesliga. Was also mag das Geheimnis des ewigen Jungbrunnens sein? Die Antwort klingt so einfach wie banal. Hertha hält sich durch eine Kältetherapie fit! Bei gefühlten -20°C konserviert Hertha einfach alles. Ja, nicht nur die eigenen Körper erstarren vor dem gegnerischen Tor, nein auch die Gesamtumstände werden Dank Väterchen Frost auf dem Status Quo gehalten.
Irgendwer hat nämlich den verantwortlichen Frostys in Herthas Chefetage vor der Rückrunde erläutert, dass 20 Punkte super gut für einen Aufsteiger seien. Schwupp wurden die 20 Punkte tiefgekühlt, so tief, dass offensichtlich keine weiteren Punkte mehr den Weg in die vereinseigene Kühlkammer finden.
Das erklärt zum Einen, warum unsere Stürmer das gegnerische Tor nicht mehr treffen können und zum Anderen, warum wir Fans auch dieses Wochenende sichtlich frostriert die olympische Tiefkühltruhe verließen.
Doch was wie eine temporäre in Eis gemeißelte Erfolgslosigkeitsserie wirkt, ist vielmehr die Preetzsche Antwort auf die Weltwirtschaftskrise. Zittert Deutschland seit Längerem um seinen Rating Status AAA, manifestiert Hertha sein unterkühltes Verhältnis zum Erfolg mit der Energieeffizienzklasse A+++. Jede Kühlkombination wäre stolz.
Am Mittwoch kommt die Borussia aus Gladbach zum Pokalspiel. Es wird Zeit, dass Hertha sein Wissen über das Konservieren von Serien endlich weiter gibt, denn Gladbach hat seit 17 Jahren kein Pokalendspiel mehr erreicht. Es wäre schön, wenn es auch dieses Jahr so bleiben könnte. Von Hertha lernen heißt kühlen lernen.
19. Spieltag. 1:2 im heimischen Olympiastadion gegen den HSV. Irgendwie bin ich richtig stinksauer. Jetzt brauch' ich ein Quantum Trost. Da hilft nur ein Gedicht.
Manchmal fällt mir das Schreiben unheimlich schwer.
Was soll ich auch schreiben nach so einem Spiel. Was Lustiges? Wohl kaum! Was Historisches? Zu viel der Ehre! Einen Spielbericht? Ich bin kein Masochist! Nein, außerdem wirkt die Sorge, dass Hertha wieder einmal eine Negativserie so lange ausbaut, bis es kein Zurück mehr gibt, viel zu lähmend auf mich.
Das Einzige was hilft, meine Lähmung zu überwinden, ist meine Wut. ICH BIN STINKSAUER!!!
Hat die Mannschaft unter Babbel schon viele Punkte gegen die direkten Tabellennachbarn liegen lassen, machen meine Jungs unter Skibbe genau da weiter. Mann! Nürnberg oder Hamburg, dass sind dieses Jahr Pfeifen, Vereine die weit nach unten gehören.....und wer macht sie stark?? Meine Jungs!
Verdammt! Ich bin Hertha Fan. Ich bin schon Fan gewesen, als Hertha „Dank“ des Bundesliga Skandals, sehr sehr wenig Freunde in der Stadt hatte. Ich gehe immer zu Hertha, egal ob es schlecht steht oder nicht. Ich wurde oft verlacht, als Hertha in der Oberliga war....na und! Wir Herthaner sind eben hart im neben.
Aber ist es zuviel verlangt, einmal wieder ein attraktives und erfolgreiches Spiel zu sehen? Ein Spiel mit einer frühen klaren Führung, bei bester Spielkultur? Souverän zu Ende gebracht. Ein entspannter Fußballnachmittag eben?
Ist es zuviel verlangt, wenn sich die gut dotierten Spieler einmal 90 Minuten lang konzentrieren, um sich mit einem guten Spiel bei den vielen Berlinern und Brandenburgern für ihre Treue zu bedanken? Bei jenen Menschen, die es mit ihren sauer verdienten Kröten überhaupt erst möglich machen, das Fußballspieler so gut verdienen? Nicht, dass ich falsch verstanden werde, es geht mir nicht um das Geld, das ich in meine große Fußball-Liebe investiert habe. Nee, ganz im Gegenteil.
Ein Freund meinte einmal zu mir: „Mann, was würdest du machen, wenn du die Kohle hättest, die du für Hertha ausgegeben hast?“
Ich antwortete ihm mit einem Gedicht.
"Ach hätten wir das Geld vergraben, das wir einst versoffen haben. Kinder, wäre das ein Haufen, Kinder könnten wir dann saufen."
Kurzum, ich würde es immer wieder für Hertha ausgeben. Aber wissen die Spieler überhaupt, woher das Geld kommt? Wem sie es verdanken? Also Jungs, bitte verärgert uns Fans nicht noch mehr, kniet Euch rein und haut Hannover weg! Immer wieder aufsteh'n, ist die Devise.
18. Spieltag. 0:2. Fast wie im Dschungelcamp. Aber die Party bei Hans-Peter war guuuuut!
Diesmal hatten wir nach dem Spiel in der Frankenmetropole Großes vor, stand doch noch eine Party in Bayern an. Die Frage war nur, mit welcher Laune wir zur Festivität fahren würden. Doch dazu später mehr.
Nun jut, wie jeder weeß, det Spiel jing in die Hose. Eigentlich hat meine Hertha gar nicht mal so schlecht gespielt. Die erste Hälfte dominierten die Jungs aus Berlin das Spiel gegen die Eingeborenen vom Rande der Nordalpen sogar. Doch wie in bester Dschungelcamp-Manier, wurden meine Jungs zweimal zur Prüfung gebeten und ihnen dort zwei unverdauliche Tore eingeschenkt. Überhaupt erinnerte das Nürnberg Spiel ein wenig an das Szenario, dass sich wieder einmal im australischen Dschungel abspielt.
Sie wissen nicht wo von ich spreche? Ich rede von der TV Sendung die eigentlich niiiiiie einer sieht, zu der aber komischerweise jeder eine Meinung hat.
Herthas Ronny beispielsweise, auf den ich mich im Vorfeld besonders gefreut hatte, bewegte sich ähnlich zielstrebig über den Platz, wie Ailton in die Herzen aller Deutschlehrer. Wie hätte der einstige Kugelblitz sicherlich zu Herthas Spiel wohlfeil formuliert: (Originalzitat:„Aber ich noch nie gesehen eine Spiel genau heute.“). Recht hätte er gehabt, auch ich hatte schon lange nicht einen solchen Grottenkick gesehen.
Patrick Ebert hielt es mit einem weiteren Dschungel-Kämpfer, dem waaaahnsinig bekannten Magier Vincent Raven. Ebert versuchte, wie sein TV-Vorbid, zu tricksen, in dem er den Gegner durch einige Zaubertricks zu verwirren versuchte. Beispielsweise ließ er die Bälle, wie von Geisterhand bewegt, immer wieder irgendwo verschwinden. Ben Hatira schien es besonders Erotik-Model Micaela Schäfer angetan zu haben. Ähnlich wie die Textillose Urwald-Akteuse, schob er seinen sportlichen Körper mal hier und mal da lang, allerdings, und das unterschied ihn vom Model, vergaß er stets die Bälle mitzunehmen.
Am Ende blieb meinen Freunden und mir nur übrig, das Beste daraus zu machen - und das taten wir. Nach dem Spiel unserer Hertha fuhren wir alle zum runden Geburtstag unseres Freundes Hans-Peter in Richtung seiner Wahlheimat München. Der Typ ist wirklich durchgeknallt, nutzt er doch fast jedes zweite Wochenende um die Spiele unseres Lieblingsvereins in Berlin zu besuchen. Ehrensache, dass wir ihm unsere Aufwartung gemacht haben.
Puh, und die Party war gut, so gut dass sich der Vergleich mit dem Dschungel am nächsten Morgen, kurz bevor wir mit dem Flugzeug Richtung Berlin zurück flogen, wieder bemerkbar machte. 1000 trommelnde Ureinwohner bereiteten sich offensichtlich zwischen meinen Ohren auf ein grausames Ritual vor. Glücklich in Berlin gelandet wollte ich nur noch eins, SCHLAFEN. Einen Vorteil hatte der ganze Ausflug allerdings. Am Ende blieb die Erinnerung an ein wunderbares Fest und Dank des einsetzenden Fan-Alzheimers konnte ich mich nicht mehr sooo richtig an das Spiel erinnern.
Nächstes Wochenende erleben wir im Olympiastadion , wie aus dem Dino der Bundesliga, dem HSV, ein Fossil wird. Alt aussehend, steinernd und nicht mehr von dieser Fußballwelt.
In der fußballfreien Zeit klammert sich ein echter Fan an jeden Grashalm, um einen Blick auf seine Lieblinge zu werfen. So auch Knut und seine Freunde, die beim Freundschaftskick der Hertha gegen Osnabrück auf der Tribühne saßen.
Klassentreffen mit alter Dame und 3.000 Klassenkameraden im Sportforum. Am 20. Januar geht's dann endlich wieder zur Sache und nach Nürnberg.
Was macht man mit einem freien Tag? Richtig, man geht zu einem „Klassentreffen“ der besonderen Art. Am 06.01. um 14 Uhr gab es ein solches. Anlass war Herthas Einladung zum ersten Testspiel in diesem Jahr.
Das erste Spiel unter Leitung unseres neuen Trainers Michael Skibbe. Der Gegner hieß VfL Osnabrück. Mit dem VfL kam auch ein alter Bekannter nach Berlin - „Pele“ Wollitz. Ex Hertha Spieler und langjähriger Coach von Energie Cottbus. Hier wurde der Begriff Klassentreffen wörtlich genommen, trafen sich doch Vertreter der ersten und dritten Spielklasse. Mich trieb jedoch weniger Michael Skibbe, geschweige denn der Gegner ins Amateurstadion. Die Winterpause war mir schlicht weg viiiiel zu lang.
Erst einmal angekommen, musste ich feststellen, dass es außer mir, gut 2000-3000 anderen Zuschauern ebenso ging. Doch was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte, war, dass ich herzlich wenig vom Spiel mitbekommen sollte. Das lag nicht am „Rund“ selbst. Das Amateurstadion ist ein reines Fußballstadion und man kann von jedem Platz aus hervorragend jedes noch so kleine Detail erkennen. Nein, es lag an den vielen Blau-weißen selbst, die den Weg zum Sportforum gefunden haben.
Schon beim Einlass eine Stunde vor Spielbeginn ging es los. Alte Bekannte wohin man sah. Ehemalige Spieler wie „Elis“ Granitza, ließen sich den Jahresauftakt genau so wenig entgehen, wie Pal Dardai mit seinen Mitspielern das Training der Amateure gleich nebenan. Vor allem aber waren etliche Hertha Fans gekommen, die genau wie ich schon seit mehreren Jahrzehnten dem spröden Charme der alten Dame erlegen sind. Wir begrüßten uns und obwohl ich einige seit Jahren nicht gesehen habe, begannen die Gespräche dort wo diese seinerzeit aufgehört haben, um schließlich mit der generellen Eröffnungsformel fortgesetzt zu werden, „weißt Du noch damals“.
So ein Testspiel ist schon was Feines. Innerhalb kürzester Zeit war ich voll im Bilde, wer mit wem, wer jetzt wo im Olympiastadion sitzt, wer wo arbeitet und wer Vater respektive Mutter geworden ist. Eines dieser „Fan-Kinder“ habe ich auch entdecken können. Es ist jetzt in der Fankurve ähnlich aktiv wie ich seinerzeit zusammen mit dem Vater. Es war einer dieser Momente, wo man sich, wenn auch nur für einen kurzen Moment, so unendlich alt fühlt.
Mein Kumpel Johannes stieß wenig später dazu, er hatte sich mit etlichen Mitstreitern aus dem Hertha-Forum getroffen. Eine Anekdote hier, eine witzige Bemerkung dort und immer wieder die besten Wünsche zum neuen Jahr begleiteten den Zuschauer über die gesamte Spieldauer. So positiv, wie sich die anwesenden Fans zeigten, so soll auch das neue Jahr werden. Für Hertha und für alle Brandenburger und Berliner. Das wünsche ich mir und Ihnen.
Am 20.01. ist es dann endlich wieder soweit. Die Bundesliga Rückrunde beginnt und ich werde mit meinen Kumpels nach Nürnberg fahren. In der Hoffnung, dass Hertha ein wenig mit tut, am sich abzeichnenden Machtwechsel im Frankenland zwischen Nürnberg und Fürth und als Sieger vom Platz geht.
Ach ja, wie ich von einen Freund eines alten Kumpels erfahren habe, kennt der jemanden, der schwört aufgeschnappt zu haben, dass Hertha das Testspiel gegen Osnabrück 3:2 gewonnen hat.
17. Spieltag. Ein Punkt in Hoffenheim. Mit Babbel kam es, wie es kommen musste! Manche passen eben nicht zu dieser Stadt und den Menschen.
Ich weiß gar nicht, was die Aufregung soll. Was wurde nicht alles geschrieben? Von Lüge und Verleumdung war die Rede. Und unser Präsident Gegenbauer erhob Markus Babbel sogar in den Adelsstand und machte ihm zum Baron Münchhausen. Doch wenn alle mal ehrlich sind, gab es nur eine einzige Lüge, quasi die Mutter aller Lügen, auf der alle „Missverständnisse“ der letzten Wochen basierten. Das war die Selbstlüge, die Markus Babbel sich selbst erzählt hat, kurz bevor er bei Hertha unterschrieben hat. Die er, und auch Michael Preetz, nur zu gerne geglaubt haben.
Ich meine sein Bekenntnis zu unserer Stadt. Mir stellt sich die Frage, was hat Markus Babbel eigentlich in Berlin gesucht? Einer Stadt, der er nie etwas abgewinnen konnte, der er nie eine Chance geben wollte. Es gibt nun einmal Kombinationen, die beim besten Willen nicht zusammen passen. Babbel und Berlin ist eine solche.
Das lag jedoch nicht an meiner Heimatstadt mit ihrer Vielfalt, dem Kulturenmix, der Ruppigkeit und Geradlinigkeit. Mit ihrem spröden Charme und mit einem schier unerschöpflichen Kreativitätspotenzial. Man muss nur "ja" sagen zu Berlin und sich ein klitzekleines bisschen öffnen, dann erschließt sich einem diese wunderbare Stadt mit seinem ebenso schönen Umland.
Babbel hingegen zeigte da eher einen begrenzten Horizont. Dies könnte man ja noch verzeihen, Neugierde auf Neues und Fremdes ist eben nicht jedem in die Wiege gelegt. Aber wie er sein Desinteresse an Berlin und den Berlinern zur Schau gestellt hat, geht gar nicht.
Zum Glück gab es mit unserem Co-Trainer Rainer Widmayer eine Konstante, die auch an Tagen, an denen unser Cheftrainer wieder einmal in München auf Heimatbesuch war, mit unserem Team gearbeitet hat. Diesen Fehler, beim falschen Verein in der falschen Stadt einen Vertrag zu unterschreiben, muss man Babbel ankreiden - aber nicht nur ihm. Auch Michael Preetz.
Ich hoffe, unser Manager hat daraus gelernt. Dass er künftig, neben der fachlichen Kompetenz, die man Babbel nicht absprechen kann, auch die Einstellung zu Berlin abklopft. Mir tat es weh, wie unser Manager einen lustlosen Babbel immer wieder zur Vertragsverlängerung tragen wollte. Ich bin froh, dass diese Selbstverleumdung ein Ende hat.
Jetzt ist die Mannschaft gefragt. Jungs, macht die Sportrosine glücklich und haut am Mittwoch Klautern weg. Vielleicht mit einem Rainer Widmayer als Hertha-Chefcoach bis Juli 2012?!
Ich wünsche allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch. Und wenn Sie einer Kanonenkugel begegnen, achten sie mal drauf, wer auf ihr reitet. Ich würde mich nicht wundern, wenn dort mehrere Personen sitzen.
16. Spieltag. Geburtstag von Ete Beer. Das Herz eines Berliners. Wer kommt nach Markus Babbel?
Normalerweise betrachte ich den nächsten Hertha-Gegner, schreibe über längst vergessene Duelle, erzähle von Gemeinsamkeiten oder schwadroniere über traditionell Gegensätzliches. Da der Gegner jedoch Hoppenheim heißt, entfällt das alles.
Ich habe diesmal genügend Platz um meinem Jugendidol Erich (Ete) Beer zunächst einmal zum Geburtstag zu gratulieren. Er wurde 65. Wahrscheinlich feiert der gebürtige Franke, mit großem Herz für meinen Verein, in seiner Wahlheimatstadt München im Kreise seiner Lieben. Das sei dem Held meiner Jugend gegönnt. Ete Beer ist noch heute Gast bei vielen Heimspielen. Klar, er ist natürlich immer noch Herthaner.
Alles Gute Erich Beer!
Nicht nur Herthaner hatten an diesem Wochenende Geburtstag. So feierte unser Noch-Trainer und Nie-Berliner Markus Babbel direkt nach der Heimspielniederlage gegen Gelsenkirchen mit deren Sportdirektor dessen Geburtstag. Babbel hält es offensichtlich mit Wilhelm Busch „ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert.“ Denn sein Ruf als Trainer hat mittlerweile Schaden genommen. Doch nicht die Medien oder der Verein haben die Trainerdiskussion losgetreten, sondern Herr Babbel höchstpersönlich. Seit dem hat mein Herzensclub auch nicht mehr gewonnen.
Folglich wird schon fleißig über einige Namen, die als Trainer in der Winterpause kommen könnten, spekuliert. Beispielsweise Hyballa, der zwar in Aachen wegen der zum Schluss erfolglosen Arbeit geschasst wurde, aber ein unglaublich gutes Händchen für junge Spieler hat. Ein weiteres Spekulationsobjekt ist Büskens, der sich mit Fürth gerade aufmacht, neben Fortuna Düsseldorf und St.Pauli in die 1. Liga aufzusteigen oder Franco Foda, der als Freund von Micha Preetz gilt und der mit Graz österreichischer Meister wurde.
Neben diesen grundsoliden Trainern, tummelt sich aber auch bald wieder der wohl größte Knaller der Trainerzunft in der Manege des Trainerzirkus‘. Die Rede ist nicht von Loddar. Nein Super Mario Basler wird wohl demnächst Rot Weiß Oberhausen verlassen (3.Liga-Platz 18) nachdem er RWO zielstrebig in die nächst tiefere Liga geführt hat. Doch DEN, braucht nun wirklich niemand.
Zunächst haben wir aber noch Markus Babbel, der als die wohl größte ABM-Maßnahme für das Berliner Hotelgewerbe in die Geschichte eingehen wird.
Es wird sich bis zur Winterpause zeigen, ob Babbel einen Abgang mit Stil findet. Das soll so viel heißen, dass in Hoppenheim mindestens ein Punkt und gegen Klautern das Weiterkommen im Pokal sichergestellt werden muss. Von einem gut bezahlten Trainer mit Sieger-Gen und Ambitionen, darf man das ja wohl erwarten.
Vielleicht wird Herr Babbel ja in seiner Heimatstadt München einmal auf Erich Beer treffen. Da ist vielleicht Babbels Hertha Tattoo längst verblichen, Ete Beers Herz wird jedoch immer noch blauweiß sein. Denn merke: Berliner ist man mit ganzem Herzen oder man wird es nie. Babbel, soviel steht fest, wird es nie werden.
15. Spieltag. 1:1 in K'lautern? Abgehakt. Jetzt kommt GE. Und an die hat Hertha nur schlechte Erinnerungen. Aber nicht auf dem grünen Rasen. Sondern am grünen Tisch.
Letztes Wochenende hatten meine Jungs wieder einmal nur ein Unentschieden geholt. Die Gegner waren, ziemlich unpassend für die Vorweihnachtszeit, 11 rote Teufel. So teuflisch sind die Jungs vom Betze aber gar nicht. Haben doch die Gehörnten seit 8 Jahren nicht mehr gegen meine Hertha gewonnen.
Am Freitag tut sich die Hölle noch einmal auf und spuckt eine Mannschaft aus, die bei vielen Fußball Fans fürchterliche Magenkrämpfe und Übelkeit verursacht. Gemeint sind die Schuldenmeister aus Gelsenkirchen. Auch vielen Herthafans wird bereits beim bloßen Gedanken an GE schlecht. Das tun viele Herthaner oft ganz intuitiv ohne zu wissen warum dies so ist. Das ist nicht weiter verwerflich, nichts geht über gute Reflexe und Instinkte. Hier für diejenigen die ein wenig Historisches aus den unteren Schubladen des Fußballs verkraften können, ein kleiner Rückblick:
Den politisch Korrekten muss natürlich aufstoßen, dass Gelsenkirchen seine beste Zeit zwischen 1933-1945 hatte, ganze 6 Meisterschaften von insgesamt 7 wurden seinerzeit errungen. Nun gut sagen sie, das ist schon lange her? Dann, springen wir eben in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Die Bundesligasaison 1964/65 schloss GE als Letzter ab. Wie der Zufall so spielt, stockte der DFB prompt die Bundesliga von 16 auf 18 Plätze auf und da es nach dem Zwangsabstieg von Hertha (siehe 2. Spieltag) keine weiteren Absteiger gab, blieben die Absahner aus dem Pott in der 1. Liga. Es sollte nicht das letzte Mal sein, das die Herrschaften aus Gelsenkirchen vom Unglück Hertha BSCs profitierten.
Wir schreiben das Jahr 1972. Herthas ehemaliger Publikumsliebling Zoltán Varga wurde wegen der Beteiligung am Bundesligaskandal ab 1972 gesperrt. Der DFB hatte jedoch Varga schon 1971 mit einer Vorsperre belegt. Beim DFB Pokal-Rückspiel gegen GE am 15.12.1971 gewann Hertha 3:0 und wäre somit nach dem 1:3 im Hinspiel eine Runde weiter gewesen (damals gab es im Pokal noch ein Hin- und Rückspiel). Hertha setzte dabei aber besagten Varga ein, den das Sportgericht zwar gesperrt, aber noch nicht verurteilt hatte. Hertha erreichte mit einer einstweiligen Verfügung vor einem Zivilgericht, dass Varga im Pokal auflaufen durfte.
Diese Verfügung wurde Hertha bei Spielbeginn noch einmal bestätigt. Der DFB ließ es sich nicht bieten, dass eines seiner Mitgliedsvereine ein ordentliches Gericht anrief und im Januar 1972 annullierte das DFB-Sportgericht das Pokal Rückspiel. Auslöser waren die „Sportsmänner“ aus Gelsenkirchen, die gegen die Wertung Protest einlegten. Das Spiel wurde mit 2:0 für GE gewertet. GE stand damit in der zweiten Runde des DFB-Pokalsund gewann diesen sogar. O.K. Varga war am Bundesliga Skandal maßgeblich beteiligt, im Gelsenkirchener Team aber, standen gleich sieben Spieler, die sich ebenfalls bestechen ließen.
Später leisteten einige der bestechlichen GE Spieler noch einen Meineid und beteuerten ihre Unschuld. Mit diesem Meineid, dem es den „ehrenwerten“ Gelsenkirchener ermöglichte ihren „Sport“ länger als alle anderen korrupten Spieler nachzugehen, ging der DFB verhältnismäßig sanftmütig um. Auch waren es, in erster Linie Anwälte der Gelsenkirchener die wiederum vor ordentlichen Gerichten so viel Druck machten, dass der DFB einknickte und die meisten Spieler bereits schon wieder 1974 begnadigte.
Auf geht’s Hertha, man kann verlieren aber am Freitag will ich dreckige Trikots und einen heiseren Trainer sehen.
14. Spieltag. 2 Punkte verschenkt - Klarheit wg. Babbel gewonnen. An seinem Arbeitszeugnis wird schon gefeilt.
Ja ich gebe es zu, ich bin einer von denen, die sich über das 3:3 gegen Leverkusen geärgert haben. Zum zweiten Mal hintereinander wird ein 2 Tore Vorsprung verspielt. Zum zweiten Mal kam durch die Auswechslungen nicht der richtige Impuls in die Köpfe der Mannschaft. Ergebnis: wieder einmal sind 2 wichtige Punkte liegen geblieben. Nichts destotrotz konnte ich von meiner Hertha nicht genug bekommen. Also ging ich am letzten Montag mit 1351 anderen Herthanern zur Mitgliederversammlung.
Seit dieser Versammlung ist für mich klar, Markus Babbel wird spätestens im Sommer 2012 seine Hotel Suite abgeben und Berlin verlassen.
Die Stadt seines bisher einzigen Trainererfolges. Nach seinem Stuttgart Desaster erhielt er bei meiner Hertha eine neue Chance mit einer aufstiegsgerechten Mannschaft, die er in die 1. Bundesliga zurück führen durfte. Hertha bekam mit Babbel nach dem Abstieg einen Trainer, der Dank seiner großartigen Nationalspielerkarriere die nötige Aufmerksamkeit nach dem Abstieg mitbrachte. Dazu kam der Wille, die Aufgabe anzupacken. So gesehen haben beide Seiten gewonnen.
Nur nervt mich die Babbelsche Entscheidungsunlust zum Thema Vertragsverlängerung oder besser seine fehlende Bereitschaft Klartext zu reden. Michael Preetz, bisher von Babbel überzeugt, hat als guter Manager seinem Trainer mehrfach öffentlich den roten (Vertrags-) Teppich ausgerollt. Babbel ließ Preetz jedoch im Regen stehen und verlor kein Wort zur Vertragsverlängerung.
Wie ihm auch kein ernsthaftes Bekenntnis zu Berlin, der Region und zu seinen lauten aber liebevollen Menschen bisher über die Lippen kam. Bei seiner Antrittsrede gestand er ein: „Ich kann mich nicht (auf eine Rede) vorbereiten, das muss aus dem Bauch heraus kommen. Ich will immer authentisch sein.“ In sofern hat er am Montag zumindest sehr laut und authentisch geschwiegen.
Daher hier schon mal vorab ein Ausschnitt aus seinem Arbeitszeugnis: "Herr Babbel war stets bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen. Wir wünschen ihm alles Gute."
13. Spieltag. 2:2 in Freiburg. Hätte SAT.1 doch Recht behalten!
Puh, war das spannend. Nachdem Niemeyer in der letzten Sekunde der ersten Halbzeit das 2:0 schoss, musste meine Hertha wieder einmal in letzter Sekunde des Spiels einen Treffer entgegen nehmen. Folglich konnte Hertha lediglich mit einem Punkt im Gepäck die Heimreise antreten. Diesmal war die 5- minütige Nachspielzeit in voller Länge korrekt. War das Gegentor vor einigen Spieltagen in Bremen noch die Konsequenz aus der Leistung eines Dr. Brych, lag es diesmal definitv nicht an Schieri Wingenbach. Der Unparteiische brachte dem Vernehmen nach sogar Freiburgs Präsident Keller dazu, den erhobenen Mittelfinger in Richtung unseres Cotrainers zu recken. Rainer Widmayer hat höflich aber bestimmt das liebevoll vorgetragene Angebot des Herrn Keller abgelehnt.
Ich hätte mir vom Schiedsrichter Wingenbach jedoch diesmal die Arbeitseinstellung der SAT.1 Redaktion gewünscht. Die haben nämlich derart pünktlich Feierabend gemacht, dass selbst noch Sonntag um 5 Uhr morgens, in deren Videotext zu lesen war, dass meine Jungs den 2:1 Sieg über die Zeit retteten. Danke liebe SAT.1 Redaktion, das war wirklich eine nette Geste.
Leider war die Realität weniger wohlwollend und die Fehler muss man schon in den eigenen Reihen suchen. Wenn ein Team bereits 2:0 führt und es nicht vermag die 3 Punkte über die Zeit zu retten, kann das auch immer ein Zeichen mangelnder Einstellung sein und hier sind die Spieler selbst und der Trainer gefordert.
Mit der Betriebssportgemeinschaft aus Leverkusen und der Vereinigung aus Gelsenkirchen stellen sich schließlich noch zwei Teams im Olympiastadion vor, die dieses Jahr wohl fester Bestandteil der ersten Tabellenhälfte sein werden. Dazu kommen noch zwei Auswärtsspiele in Hoppenheim und Klautern.
Jetzt, kurz vor der Winterpause, kann Hertha selbst entscheiden, ob Sie mit einem sicheren Mittelfeldplatz im Rücken den Tanz um den Weihnachtsbaum wagen können, oder ob meine Jungs vollkommen unnötig Tuchfühlung mit dem Relegationsplatz aufnehmen. Ich will jetzt nicht schon wieder das Babbelsche Zitat von den Gegnern auf Augenhöhe bemühen, aber sportlich befindet sich von den restlichen Gegnern so richtig z. Zt. nur Lautern auf Augenhöhe.
Wenn Hertha aus den restlichen vier Spielen der Hinrunde aber 6-7 Punkte holt, liegen wir voll im Soll und wir Herthaner können es dem Freiburger Präsidenten gleich tun und ebenfalls einen Finger in die Luft erheben, nur sollte es dann der Daumen sein.
12. Spieltag. Ein leuchtender Leuchtschädel als Vorbild und etliche Energiesparlampen auf dem Rasen.
Eigentlich haben Spiele gegen Mönchengladbach für mich einen besonderen Stellenwert. Schließlich war es 1976, als ich, als Teenager das erste Auswärtsspiel ohne väterliche Begleitung erleben durfte. Das Spiel endete seinerzeit 1:1. Unser Altvorderer Ete Beer schoss die 0:1 Führung, ehe Jupp Heynckes in der Nachspielzeit zum 1:1 ausglich. Dies tat der, wegen seiner offensichtlichen Neigung zu Bluthochdruck, stets wie eine Glühlampe leuchtende und daher „Osram“ genannte Spieler, derart impulsiv, dass er sich gegen den Torpfosten prallend, eine Platzwunde am Leuchtkörper, respektive Kopf zuzog. Solch einen Einsatz hätte ich mir am letzten Sonnabend auch von meiner Hertha in der 2. Halbzeit gewünscht.
Vor dem Spiel war bei mir noch die Spannung hoch, mit welchen 10 Spielern unser Trainer Markus Babbel diesmal die Mannschaft um Andreas Ottl ergänzte. Nach ordentlichen 45 Minuten, in denen meine Hertha mit 1:1 in die Kabine ging, war ich dann doch sehr zuversichtlich, dass die Mannschaft von Lucien Favre das Olympiastadion mit leeren Händen verließ. Aber offensichtlich war irgend etwas in Herthas Pausentee, was da nicht hinein gehörte. Denn in der 2. Hälfte dominierte Gladbach und Zähne knirschend muss ich eingestehen, Gladbach gewann am Ende nicht unverdient. Woran mag es gelegen haben?
Am Gegner eher nicht, diese Gladbach- Elf war durchaus zu schlagen. Vielleicht lag es ja doch am Olympiastadion. Vor einigen Tagen mutmaßte unser Trainer Markus Babbel, dass im Olympiastadion die Zuschauer zu weit weg sitzen und daher vielleicht der Funke nicht wie gewünscht auf das Spielfeld übersprang. Er, Markus Babbel, kenne dieses Phänomen noch aus dem Münchner Olympiastadion. Aha. Das erklärt ja dann auch das unglaublich erfolglose Auftreten der Bayern insbesondere in den 70er Jahren.
Mal im Ernst. Ich habe die Sorge, dass zu leichtfertig wichtige Punkte weg geschenkt werden, die uns am Ende noch sehr fehlen könnten. Die kämpferische Einstellung eines Ete Beer oder eines „Osram“ vermisse ich bei meiner Hertha noch viel zu oft. Obwohl einige Hertha Spieler sich redlich bemühen, es einem „Osram“ gleich zu tun aber am Ende entpuppen sie sich zu Hause noch viel zu oft als Energiesparlampen.
Jetzt ist erst einmal Länderspielpause und die Hauptmitgliederversammlung nähert sich ebenfalls mit großen Schritten. Ich denke, spätestens dann werden wir von Markus Babbel erfahren, ob er unsere Hertha Mannschaft auch in die nächste Bundesligasaison führen wird. Ein neues Stadion wird er allerdings nicht bekommen……warum auch?!!
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
11. Spieltag. Hertha-Fans suchen Stadt und finden 3 Punkte. Ein Spieltag für den Tierschutz
Gut, dass ich nur schreiben muss. Denn nach diesem grandiosen Auswärtsspiel in Wolfsburg streiken meine Stimmbänder immer noch.
Das Wohlfühlwochenende begann eigentlich schon am Mittwoch. Hertha hat mit einem cleveren und abwartenden Spiel in Essen das Achtelfinale des DFB Pokals erreicht.
Die Vorfreude auf das Wolfsburg Spiel war entsprechend groß. Bereits auf dem Weg nach Wolfsburg zeichnete sich ab, dass es ein erfolgreicher Tag wird, nicht nur weil ich mit einem äußerst sympathischen Haufen unterwegs war, sondern auch weil der Zug entgegen seiner sonstigen Praxis tatsächlich in Wolfsburg hielt. Zunächst waren wir, wie immer wenn wir den Hauptbahnhof von Wolfsburg verlassen haben, ziemlich verunsichert, ja orientierungslos. Auf dem Bahnhofsvorplatz war genau soviel Urbanität geboten, wie ich für Gelsenkirchen empfinde.
Rien, niente, nada. Waren wir wirklich da? Nichts deutete auf eine menschliche Ansiedlung hin. Nichts darauf, dass hier der deutsche Meister von 2009 seine Spiele austrägt. Nichts, was an den Meistermacher jener Jahre erinnert, an Schieri Knut Kircher. Eine Gedenktafel hätte ich zumindest erwartet. Sollte sich hinter dem Museum "Phaeno", das ganz VW like wie ein Parkhaus aussieht, tatsächlich eine Stadt befinden?
Nun, wagemutig und neugierig wie wir Berliner nun mal sind, begaben wir uns auf die Spurensuche. Um die Geschichte abzukürzen, eine Ortschaft oder gar eine City haben wir trotz Beschilderung nicht vorgefunden. Dafür aber ein Stadion, das neben 6000 Berlinern noch Platz für 24000 Einheimische bot. Verdammt, schoss es mir durch den Kopf, die müssen doch irgendwo wohnen? Nun dieses Rätsel werde ich wohl niemals lösen können. Warum auch, das Spiel war einfach der Hammer! Hertha kämpfte grandios. Jeder Spieler meiner Hertha, auch der technisch versierteste war sich nicht zu schade, in die Zweikämpfe zu gehen
Die Wolfsburger setzten mit akustischen Tricks dagegen. unterstützt von ihrer Wölfikurve ließen sie nach jedem ihrer zwei Tore ein Wolfsgeheul vom Band ertönen. Es half jedoch wenig. Pierre Michel Lasogga versetzte mit seinem Treffer zum 3:2 dem Isegrimm den Todesstoß. Ich sehe schon jetzt das Mannschaftsrudel, wie es sich, von Quälix Magath angetrieben, im Straftraining einen Wolf läuft. Mir soll es egal sein. Wir verließen dieses Biosphärenreservat siegestrunken aber zügig Richtung Berlin.
Im Abteil forderte eine Dame vom Schaffner einen Preisnachlass, ob unserer wohlfeilen Gesänge. Der Schaffner, ganz Musikliebhaber, konterte, "sie müsse hierfür eigentlich einen Kulturzuschlag zahlen." Recht hatte er! Doch vielleicht meinte die Dame ja gar nicht unsere musikalischen Darbietungen, sondern das unerträglich Heulen, das uns seit dem Schlusspfiff aus dem Wolfszwinger am Mittellandkanal noch hunderte Kilometer weit verfolgte.
Und Sonntag noch immer dauerlächelnd, sah ich mir die Pokalauslosung an. Hertha hatte nach 6 Jahren wieder einmal ein Heimspiel zugelost bekommen. Das war aber bei Leibe noch nicht das letzte Highlight dieses Wochenendes. Herthas Zweete hat ooch jewonnen, ratet mal jejen wen? Richtig, auch Herthas zweite Mannschaft kam den Wolfsburgern ins Gehege und hat ihnen gehörig einen auf den Pelz gebrannt. Der Tierschutz ist alarmiert, nächsten Spieltag kommen die Fohlen vom Niederrhein.
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
10. Spieltag. Babbel babbelt wie ein Berliner.
„Ich denke, ich habe die drei Punkte fürs Mainz-Spiel mit im Gepäck. Die Bayern sind eine andere Liga – jetzt kommen aber die Gegner, die wir schlagen müssen. Mainz, Wolfsburg und Gladbach.“ So tönte unser Trainer Markus Babbel laut, fast wie ein echter Berliner, nach dem er nach dem Bayern-Spiel aus dem Kurzurlaub in seiner Heimatstadt München in die Stadt seines Hotelzimmers zurückkam.
Wir erinnern uns, das Bayern-Spiel wurde bereits im Vorfeld von unserem Trainer als „Bonusspiel“ weggeschenkt. Gegen Mainz sollte nun endlich einem Gegner „auf Augenhöhe begegnet werden.“ Um mit den Mainzern allerdings auf gleicher Augenhöhe agieren zu können, hätte der Tabellen 15te aus der Karnevalshochburg letzten Sonnabend schon eine durchschnittliche Körpergröße von 1,15 m haben müssen.... so klein haben sich meine Jungs gemacht.
Als Hertha sich das letzte Mal eine solche Kleinwüchsigkeit selbst auferlegt hatte, ging es im DFB Pokal nach Koblenz.... das Ergebnis ist bekannt. Diesmal heißt der Pokalgegner am Mittwoch Rot Weiss Essen. Jetzt wird sich zeigen, wie der Trainer unsere Hertha auf Mannschaften einstellt, die auf einer Augenhöhe mit Teams wie dem SC Verl oder dem SC Idar-Oberstein stehen. Der beliebteste Fußballclub der Hauptstadt müsste allerdings gewarnt sein, Rot Weiss Essen hat immerhin als Viertligist einen zweitklassigen und unheimlich kultigen Kultclub aus Köpenick aus allen Pokalträumen geworfen.
Essen sollte man also unbedingt ernst nehmen. Mit RWE spielt Hertha schließlich bei einem Urgestein des deutschen Fußballs. Beim DFB Pokalsieger von 1953 und Deutschen Meister von 1955 gaben bereits viele großartige Spieler ihre Visitenkarte ab. Helmut Rahn, Willi Lippens, Norbert Nigbur, Manni Burgsmüller um nur einige zu nennen aber auch Herthas großes Fußballidol der 70er Jahre Erich Beer UND Pierre Michel Lassogga spielten beim Club aus dem Pott!
Ein Erfolg im Ruhrpott könnte nicht nur meine Hertha einen kleinen Schritt dem Pokalfinale in Berlin näher bringen, sondern auch meine Jungs für das nächste Spiel in der Bundesliga wachsen lassen. Schließlich folgt mit Wolfsburg schon am nächsten Sonnabend der nächste Gegner auf Augenhöhe.
Ich werde mich selbst auf den Weg in die Ortschaft aller Radkappen machen, vorausgesetzt der ICE hält auch an. Bisher ist der Höchstgeschwindigkeitszug schon dreimal an dieser Ansammlung von Häusern vorbei gerauscht. So ein Zug hat eben auch seinen Stolz.
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
9. Spieltag. In München herrschte Ulis Sponsoren-Stimmung im Stadion. Und Hertha ging mit erhobenen Armen statt erhobenen Hauptes ins Spiel.
Es gibt Tage da fühlt man sich so richtig alt. Der letzte Sonnabend war wieder einmal so ein Tag. Nicht wegen der Niederlage, sondern weil ein weiteres Jahr dazu kommt mit dem Herthas letzter Sieg in München so langsam aber sicher einen antiken Hauch erhält. Ahnlich der letzten Meisterschaft. Alt auch, weil ich damals 1977 Augenzeuge in München war, als Gerd Grau und Bernd Gersdorff den letzten Auswärtssieg im oberbayrischen Millionendorf sicher stellten. Wenn ich davon meiner Familie erzähle, klingt das mittlerweile so, als wenn Ur-Großvater von den glorreichen 20er Jahren erzählt.
Eigentlich wollte ich dieses Jahr nicht nach München fahren, aber ein Kumpel hat mich überredet. Nicht das ich Angst vor einer Niederlage hatte, sondern vielmehr weil mich die Sorge umtrieb, dass erste Mal in meinem Leben in einem Fußballstadion einzuschlafen. Die Allianz Arena ist nämlich nicht gerade der Hort der übermäßigen Stimmung. Bayern hat zwar eine meisterliche Mannschaft, das Fanumfeld und die im Fußballstadion für mich so wichtige Atmosphäre ist jedoch eher amateurhaft.
Das liegt nicht an den bajuwarischen Fans selbst, sondern vielmehr an der Vereinsführung um Uli Hoeness, der es sich offensichtlich zum Ziel gemacht hat, ausschließlich Fans zu protegieren, die sich ihm genehm verhalten. Ich ziehe den Hut vor den wenigen Unentwegten in der Bayernkurve, die es trotzdem immer wieder versuchen, dem Spiel einen würdigen Rahmen zu geben.
Doch sie haben es schwer, sie sind bei Hoeness nicht gut gelitten, weil die Plätze in der Kurve lukrativer zu verwerten sind. Mit zahlungskräftigen Freunden der Hauptsponsoren z.B., die dann die bereit gelegten Bayernfähnchen zwischen dem Häppchen und dem Champusgläschen schwenken. Oder mit Gruppen von Zuschauern, die die Logos der Hauptsponsoren darstellen. Sie sind auch nicht gern gesehen, da sie es wagen, eine eigene Meinung zu haben. Zuletzt wurde das bei der Verpflichtung des Gelsenkirchners Torhüters deutlich. Na ja, und dann ist da noch das sterile, langweilige Stadionumfeld.
Es gibt also viele Gründe, warum ich nicht fahren wollte. Die zu erwartende Niederlage war es jedenfalls nicht. Schließlich ist man als Hertha Fan alles, nur kein Erfolgsfan. Gegen Bayern München kann man verlieren, ja man darf auch 4:0 verlieren aber NICHT auf diese Art. Ich meine gesehen zu haben, dass meine Jungs vor dem Spiel schon mit erhobenen Armen den Platz betreten haben.
Wo war denn dass berühmte Bayern Gen bei Babbel? Irgendwie drängte sich die Vermutung auf, dass er gegen seinen alten Verein und großen Liebe FC Bayern München schon im Vorfeld die Punkte abgeschrieben hat. Babbel, Lell und Ottl zeigten eher das große Bayern-Gähnen. Kraft ist von dieser Kritik ausgenommen, er musste ausbaden was seine Vorderleute verschlafen haben.
Ich hoffe nur, dass wir gegen Mainz nicht noch einmal einen solchen Angsthasen Fußball zeigen.
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
8. Spieltag. 3:0! Da kann man nicht meckern, wie der Berliner sagt! Poldi keinen Bock. Deshalb kein Bockmist. Danke!
Am Sonnabend stellte sich mit dem 1.FC Köln - zu erkennen am Vereinslogo mit dem Geißbock - ein alter Bekannter im Olympiastadion vor. Niemals werde ich das Pokalfinale 1977 vergessen, als ich mit zig-tausenden Berlinern im Niedersachsenstadion stand. Hertha spielte 1:1 nach Verlängerung. Es gab ein Wiederholungsspiel. Das erste und einzige in der DFB-Pokalgeschichte.
Meinem Fußball Idol Erich Beer wurde im 2. Spiel ein korrekter Treffer von Schiedsrichter Ohmsen aberkannt. Toni Schumacher im Tor der Kölner hatte keine Chance. Ja schon damals spielte Hertha gegen 12 Mann.....
Es war auch Toni Schumacher, der nach dem Kölner Debakel vom letzten Spieltag in Berlin den Herrscher über alle Geißböcke - Prinz Poldi den Ersten - folgendes ans Geweih warf: „Wenn es 2:0 für den Gegner steht, hat er (Poldi) keinen Bock mehr." Keinen Bock mehr? Bedeutet dass bei den Kölnern jetzt Isolationshaft? Oder ist gar schlimmeres zu befürchten?
Abwegig wäre das nicht. Der FC Köln zerrt schon seit Jahren bei seinen Heimspielen einen Geißbock als Maskottchen durchs Stadion. Mittlerweile ist es seit 1950 schon der 8te Bock, der den Namen Hennes trägt. Besonders tragisch erging es Hennes VII. Er erlebte alle Abstiege der Kölner aus der Bundesliga mit. Für einen Glücksbringer keine sehr gute Bilanz. Folglich wurde er 2009 eingeschläfert. .. äh äh äh (um es mit Poldi zu sagen) natürlich aus gesundheitlichen Gründen.
Humaner ging Christoph Janker mit Prinz Poldi um. Janker, der mir immer mehr gefällt, hat das Leittier der Kölner Ziegenherde derart kalt gestellt, dass uns der übliche Bockmist eines Poldi-Interviews erspart blieb. Hertha war überhaupt ein sehr guter Gastgeber. Dank des souveränen 3:0, gab es im rheinischen Stall einiges zu meckern. Na, wenn das nicht artgerecht ist. Am nächsten Spieltag fahre ich nach München, mal sehen was meine Jungs da anstellen. Mittlerweile traue ich ihnen alles zu.
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
7. Spieltag. Kindheitstrauma in Bremen. Multiball in Krafts Strafraum. Und ein Schiedsrichter als kreativer Spielmacher.
Werder Bremen gegen Hertha BSC! Was beim ersten hören dieser Namen wie eine Begegnung zwischen dem ältesten Fußballverein im deutschen Profifußballs und einem Fischstäbchenhersteller klingt, hat für mich jedoch eine ganz besondere Bedeutung. Es war der 14.04.1973 als ich als Steppke mein erstes Auswärtsspiel erleben durfte. Hertha traf im DFB Pokal auf Werder Bremen.
Das Transitabkommen war noch keine 11 Monate alt und mein Vater fuhr mit mir im NSU Prinz Richtung Norden. Die DDR Grenzer hatten jedoch trotz des Abkommens noch nicht den Ernst der Lage begriffen und taten alles, damit wir möglichst zu spät zum Spiel unserer Hertha kommen.
Doch mein Vater holte alles aus unserem Vehikel heraus und fuhr unter ständiger Zufuhr von Nikotin im raschen Tempo Richtung Weserstadion. Wir kamen gerade noch pünktlich zum Anpfiff an. Doch der Sauerstoffmangel im Auto und das hohe Tempo forderten ihren Tribut. Kaum in Bremen angekommen konnte ich gerade noch so die Autotür öffnen und mußte mich erst einmal übergeben.
Jetzt Jahrzehnte später spielte meine Hertha wieder in Bremen und WIE sie spielten! Ramos schoss Hertha sogar in Führung. Erschreckend langweilige und ideenlose Bremer schienen gegenüber Hertha im eigenen Stadion keinen Fuß vor den anderen zu bekommen.
Das war die Gelegenheit für den Schiedsrichter Dr. Brych, die mangelnde Kreativität der Bremer durch eigene Ideen aufzuhübschen. Hier eine falsche Abseitsentscheidung gegen Hertha, da eine Schwalbe der Bremer allerdings ohne Folgen für die fliegenden Fische.
Die kurioseste gelbe Karte erhielt aber unser Torwart. Die Bremer Balljungen spielen Kraft zum Abschlag drei Bälle gleichzeitig in den Strafraum und Kraft bekommt gelb wegen Spielverzögerung. Freistösse werden vom Übungsleiter wiederholt, so lange bis es passt.
Derart bei der Spielgestaltung engagiert waren die gelb-roten Karten des Dr. Brych gegen Lell und Ramos die logische Folge. Flog Lell noch zu Recht vom Platz, war die Entscheidung gegen Ramos doch sehr zweifelhaft. Pizarro durfte den Ball nach dem Pfiff des Schiris noch mal eben ins Hertha Tor semmeln. Ramos hingegen nicht den Ball 5 m weg stoßen, ohne vom Spielgestalter die zweite gelbe Karte zu sehen. Das hieß Platzverweis. Die erste gelbe Karte war bereits eine Farce. Hertha war aber auch zu neunt keinen Deut schlechter als die selbsternannten Bayernjäger,
Trotz des zwischenzeitlichen 1:1 erspielten sich meine Jungs ein paar sehr gute Chancen. Da half Dr. Brych nur noch der Griff in die Nachspielzeit-Kiste. 4 Minuten... und es kam was kommen musste. In der 3 Minuten der Nachspielzeit fiel das 2:1 für Bremen. Eigentlich ganz gut, denn wenn es nicht gefallen wäre, würde Dr. Brych sicher noch heute spielen lassen. Ich jedenfalls habe jetzt fast 30 Jahre nach meinem ersten Auswärtsspiel begriffen, die Übelkeit die mich seinerzeit beim ersten Kontakt mit Bremen überfiel, lag nicht am Nikotin und schon gar nicht am Fahrstil meines Papas...
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
6. Spieltag. Augsburger AnTRITTsbesuch in Berlin. Favoritenrolle (noch) ungewohnt.
So kann es gehen. Lange habe ich warten müssen, bis meine Hertha in dieser Saison als Favorit und gefühlter sicherer Sieger das Feld betreten konnte. Erst recht nach dem furiosen Sieg in Dortmund. Nur hatte die Sache einen klitzekleinen Haken.
Denn bei allen vorherigen Spielen brauchte meine Hertha nicht das Spiel zu machen. Sie konnte erfolgreich kontern wie es ihr beliebt und wie sie es ja bisher in fast jedem Spiel mit Bravour bewiesen hat. Niemand erwartete, dass Hertha als Aufsteiger das Spiel macht.
So aber nicht an diesem Spieltag.
Mit Augsburg kam eine bisher wenig erfolgreiche Mannschaft nach Berlin und man merkte Hertha an, dass die Favoritenrolle noch sehr ungewohnt war. Doch bitte schön, auf dem Teppich bleiben, Augsburg hat zwar bisher noch kein Spiel gewonnen, ist aber nicht zu Unrecht aufgestiegen und wird noch seine Punkte machen.
Vorausgesetzt, die Schwaben bekommen immer 11 Spieler zusammen. Denn wenn diese Kloppertruppe mal auf ein paar Schiedsrichter trifft, die sich Ihrer Verantwortung gegenüber der Gesundheit der Spieler bewusst sind, wäre der gesamte Kader schnell des Platzes verwiesen.
Ich habe zwar gewusst, dass die Augsburger am 17.9. in Berlin anTRETEN, konnte aber nicht ahnen, dass die das wörtlich nehmen und insbesondere unserem Spielmacher einen „ANTRITTS“-besuch machen wollten. Ich wünsche Raffael an dieser Stelle, dass er keine schwereren Blessuren davon getragen hat.
Nächsten Sonntag geht’s nach Bremen. Wer hätte nach der letzten Saison gedacht, dass die Bremer am 6.Spieltag Zweiter sind. Die Bremer werden das Spiel machen und Hertha wird aus einer starken Defensive heraus kontern........ Bremen ist klarer Favorit. Ick freu ma!
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
5. Spieltag. Dortmunder Schönwetter-Fans und das Gesetz der Serie gegen Augsburg!
War das ein Sieg! Der Meister der ersten Bundesliga hat seinen Meister im Champion der zweiten Bundesliga gefunden. Aber mal ehrlich, überrascht war ich nicht. Eher war ich über die hohe Zahl der präzise und schnell vorgetragenen Konter erstaunt.
Wie am Fließband traf Hertha das Aluminium, und mit jedem Hertha-Tor verließen einige tausend Dortmunder Zuschauer das Stadion. Die Zeiten, wo die Dortmunder den Mythos bedienten, bis zum Schluss im Stadion zu bleiben ist seit Sonnabend ein für allemal dahin. Angelockt durch den überragenden Dortmunder Erfolg des letzten Jahres, fanden offensichtlich scharenweise Erfolgsfans, auch Schönwetter-Fans" genannt, den Weg zu den Dauerkartenplätzen und die haben naturgemäß ihre Probleme mit einen stark aufspielenden Gegner. Erfolgsfans nerven immer, immer und überall.
Besonders aber hat mich die Berichterstattung genervt. Die Penetranz, die es seit dem Einrichten von Datenbanken gibt, zwanghaft Gesetzmäßigkeiten abzuleiten. Der Höhepunkt ist das Beschwören von Serien.
Letzten Sonnabend war es wieder so weit.
So wurde in jedem Bericht darauf hingewiesen, dass die Dortmunder Heimserie von 18 Spielen ohne Heimniederlage seit dem 22.8. durch Hertha beendet wurde, genau wie Meister Trainer Markus Babbel seine ureigenste Serie verteidigte. Noch nie hat er, weder als Spieler noch als Trainer, gegen Jürgen Klopp verloren, UND Hertha selbst hat seit 14 Spieltagen kein Auswärtsspiel mehr vergeigt.
Da lohnt auch schon einmal ein Blick in die Datenbank der Sportrosine. Noch nie hat meine Hertha in der 1. Bundesliga gegen Augsburg verloren. Wie? werden sie jetzt fragen, hat Hertha jemals in der 1. Liga gegen Augsburg gespielt? Nein! Das liegt an einer anderen gigantischen Serie. Noch nie, solange es die 1.Bundesliga gibt, traf Hertha auf Augsburg. Ja liebe Medien DAS ist eine Serie! Doch auch diese wird am Sonnabend enden. Ich freue mich auf das Augsburg Spiel. Egal wie es ausgeht: ich bleibe bis zum Schluss und werde nach dem Spiel eine kleine Serie Bier zu mir nehmen.
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
4. Spieltag. Bayerischer Berlin-Tourist Babbel hatte Recht!
Vor dem Spiel gegen die Schwaben aus Stuttgart schwadronierte unser Trainer Babbel, zugereist aus Bayern, in einem Interview in den "Stuttgarter Nachrichten" über seine Berliner Nachbarn und verglich uns mit den Schwaben.
Berliner wären, so Babbel, im Gegensatz zu den Schwaben, laut, redeten viel, wollten viel - aber täten nichts dafür.
Soweit der profunde Kenner der hiesigen Region. Was zunächst wie eine handfeste Beleidigung eines Südpreußen klang, stellte sich bei näherer Betrachtung als richtig und wegweisend heraus. Dass diese von Babbel so treffend beschriebenen Tugenden des Berliners im krassen Gegensatz zu den Schwaben stehen, bewiesen einmal mehr die Häuslebauer selbst.
Die mitgereisten Fans waren tatsächlich leise. Auch nach dem Spiel redeten sie nicht so viel wie wir. Und der VfB wollte offensichtlich in Berlin auch nichts erreichen und dafür tat er alles.
Mit Erfolg.
Herthas 1:0 Sieg war also nicht nur folgerichtig, sondern vor allem vorhersehbar. Dass Markus Babbel uns durchschaut hat, ist jedoch auch kein Wunder. Wer hat schon täglich als Hotelgast die Gelegenheit, die Berliner zu studieren. Zimmermädchen, Servicekräfte, die Menschen an der Rezeption - alles Berliner! Da er in jeder freien Minute seine Familie in München besucht, kann er sogar echte einheimische Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen analysieren. Na wenn det nüschts is?! Touristen kennen Berlin bekanntlich bestens.
Aber jetzt will ich mal nicht zu sehr den Berliner raushängen lassen und das laute Plaudern an dieser Stelle bis zum Dortmund Spiel einstellen.
Ha Ho He - man liest sich!
Euer Knut
3. Spieltag. Hannover spricht Sevilla und lässt Berliner nicht in den Biergarten.
Am Sonntag machte ich mich auf den Weg nach Hannover. Was zunächst wie eine normale Sonderzugfahrt zu einem Fußballspiel aussah, entpuppte sich als Sprachreise. Schon am Bahnsteig konnte die linguale Vielseitigkeit der Berliner Schlachtenbummler bewundert werden. Eben noch „Berlinisch“, sprach man jetzt einen feinen Dialekt dieser Weltsprache, man sprach „Hertha“.
Ich war gespannt, in welcher Zunge man in Hannover sprechen würde. Zumal ja in Hannover das beste Hochdeutsch gesprochen wird, sagt man.
Die Hannoveraner, nach gefühlten 100 Jahren mal wieder im Europapokal vertreten, redeten vor dem Spiel jedoch ausschließlich in einer Sprache: Sevilla. Vom Europapokal, dem Sieg im Hinspiel, der Spannung vor dem Rückspiel und den vielen europäischen Gästen, die noch kommen werden.
Selbst die Vorberichterstattung zum 3. Spieltag in der „Hannoverschen Allgemeinen“, wurde mehrheitlich in Sevilla verfasst. Das Spiel gegen Hertha geriet zur journalistischen Nebensache, waren die drei Punkte doch schon fest verbucht. Hannover wäre nach dem eingeplanten Sieg ja auch Tabellenführer gewesen. Nur einzig und allein meine blau-weißen Mannen und einige tausend Berliner hatten etwas dagegen.
Nicht nur das Stadion war akustisch in Berliner Hand, nein auch die Mannschaft hielt kämpferisch dagegen und bewies vor allem eine hohe Moral.
So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass nach Herthas 1:1 ein vermeintlicher Treffer für Hannover kurz vor Schluss nicht gegeben wurde. Die Empörung der Fans von der Leine war groß. Denn merke: Wer soviel Sevilla spricht und so wenig Bundesliga, dem kommt natürlich auch eine mutige aber richtige Schiedsrichterentscheidung spanisch vor.
Gerne hätten wir den Sevilla-Ausführungen der Hannoveraner noch bei einem Bierchen gelauscht, doch der Biergarten direkt am Stadion ließ keine Berliner rein. „Man wolle unter sich bleiben“ so der Security-Mann.
Wenn Hannover weiterhin vergisst, seine Bundesliga-Hausaufgaben zu machen, benötigen diese sicherlich schon bald keine Security mehr, dann ist Hannover wieder da, wo sie noch vor kurzem waren: „Unter sich“ und keiner merkt es. Ich jedenfalls brach meine Sprachreise gerne ab und begab mich wieder nach Berlin. Wenn mir doch viel in der ersten Bundesliga gefehlt hat, Hannover war es nicht.
2. Spieltag. Am Jahrestag hat meine Hertha 2:2 gewonnen.
Am 13.August spielte Hertha gegen den HSV. 13.August? Da war doch was!
Richtig, es war der 50. Jahrestag des Berliner Mauerbaus. Eine Mauer, unter der insbesondere meine Hertha leiden musste. Hertha hatte von einem Tag auf den anderen das komplette Berliner Umland als Einzugsgebiet verloren. Während beispielsweise der HSV, Bayern München oder auch der FC Köln stets auf alle Talente der eigenen Region zurückgreifen konnte, stand Hertha nur noch West-Berlin zur Verfügung. Ganz zu schweigen von dem enormen Zuschauerverlust.
Hertha war Anfang der 60er Jahre gezwungen, Spieler mit Handgeldern nach Berlin zu locken. Freiwillig kamen nur wenige. Zu groß die Belastung der oft schikanösen Reise durch die DDR, zu gering die Bereitschaft der potentiellen Spieler in der Mauerstadt zu leben. Hertha sah sich genötigt, überhöhte Handgelder zu zahlen. Das Problem war nur, Handgelder über 10.000 DM wurden zwar von den meisten Bundesligavereinen gezahlt, waren aber damals verboten und Hertha wurde prompt erwischt.
Wie sagte seinerzeit der ehemalige DFB-Generalsekretär Hans Paßlack „unter hundert Sündern finden wir höchstens einen Dummen, der schuldig gesprochen wird." Der Dumme oder besser das Bauernopfer hieß Hertha BSC Berlin. Die Folge war 1965 der Zwangsabstieg.
Zurück zur Gegenwart. Die Berliner Mauer ist weg, Hertha hat seit 1990 alle Chancen, den Standortnachteil gegenüber den anderen Vereinen allmählich zu kompensieren.
Und so spielte Hertha auch in Hamburg! Es schien, als wenn sich Hertha des historischen Datums des Spiels im Hamburg bewusst war. Galt es doch, die eigenen engen Grenzen, die Hertha sich nach dem Heimspiel gegen Nürnberg gesetzt hatte niederzureißen und um endlich wieder in der Bundesliga anzukommen.
Seit Sonnabend weiß ich es, Hertha hat es geschafft. Das Spiel endete zwar unentschieden aber die Art und Weise WIE Hertha gekämpft hat, lässt nur einen Schluss zu - Hertha hat 2:2 gewonnen.
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Euer Knut
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1. Spieltag Fussball-Bundesliga: Fronkraich, Fronkraich. Aber Hertha ist überall.
Was macht der Hertha-Fan nach einer anstrengenden Fussball-Saison? Richtig er macht Urlaub. Also habe auch mich der Erholung hingegeben und mich darauf verlassen, dass Hertha NIE mit einem Heimspiel startet. Doch was musste ich erfahren, als Südfrankreich bereits gebucht war? Der DFB verlies seine Prinzipien und Hertha durfte auch endlich einmal die Saison zu Hause beginnen.
Es blieb aber noch die Hoffnung, dass Hertha am Sonntag Fussball spielt, dann könnte ich, wenn es zügig geht, kein Stau kommt und die Blase nicht allzu oft drückt pünktlich zum Heimauftakt da sein. Doch auch diese Rechnung ging nicht auf. Die Fussball-Erstligasaison begann für meinen Herzensclub am Sonnabend. OHNE MICH!
Kurzum, ich habe den Bundesliga-Auftakt auf der Autobahn in Frankreich erlebt. Jeder kann sich vorstellen, wie intensiv die Bundesliga-Berichterstattung auf Sendern wie "Grand Sud" oder "Autoroute" ist. Meine blau-weissen Entzugserscheinungen wurden immer stärker, weisse Tiere krabbelten scheinbar an meinen Beinen hoch und mein gesamter Körper begann zu zittern. Da half es auch nur wenig, dass mein Sohn samt Hertha T-Shirt mit mir litt.
Als das Spiel vorbei war, trudelten die ersten Nachrichten ein und ich wußte, Hertha hat ein schwaches Spiel verloren. Ich sah meine Berliner Hertha-Freunde im Geiste beim Frustbier zusammen sitzen und ich lernte auf einmal die Vorzüge der französischen Radiolandschaft schätzen. Was soll's ich hatte ja noch Urlaub und im Radio sang Charles Trenet vom "Himmelblauen Meer und weißen Schaumkronen." Hertha ist eben überall.
Ha Ho He! Jetzt geht's erstmal zum Auswärtsspiel zum HSV! Man liest sich.
Euer Knut
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